Aufstand der Körper (1): Eine Drehbuchidee

Der Entwurf eines Drehbuchs zu einem Science-Fiction-Film:

Die Agenten der Disziplin haben sich eine Krankheit ausgedacht, welche die „Unwilligen“ und „Abweichler“ zur Raison rufen oder zerfressen soll.  Der Krebs hält eine ganze Industrie in Betrieb, treibt die Krebsmaschinerie an. Die Androhung der Krankheit diszipliniert, wer sich nicht diszipliniert, muss erkranken. Die unausgesprochene Bedrohung ist der Tod. Der Körper des Individuums, sein Leid, befindet sich im Aufstand gegen dieses konstruierte Subjekt, das sich einer Krankheit unterwirft. Zwar ist die Krankheit ein Zeichen, ein Stigma, für das Ankämpfen gegen die bestehende Ordnung. Auf der anderen Seite ist der Krebs auch ein Produkt der herrschenden Zustände. Durch ihren Doppelcharakter stellt die Krankheit ein Grenze dar: Sie trennt zwischen „wert“ und „unwert“. (more…)

Schreiben des Selbst (3)

Sich selbst nicht beschreiben, sondern sich selbst schreiben, sich selbst verändern beim schreiben, das ist die Art und Weise, wie ein Buch zur (Selbst-) Praxis werden kann.

Ein Sämann

Ich bin ein Sämann mit schlechtem Saatgut. Die Saat kann nicht aufgehen, weil ich nicht sorgsam genug bei der Auswahl war. Wenn die Zeit für die nächste Aussaat gekommen ist, muss ich wählerischer sein, meinem eigenen Urteil vertrauen, mich des schlechten Geschmacks der wenigen Früchte, welche die letzte Ernte abwarf, erinnern. Manche Felder müssen abgebrannt werden, müssen Brach liegen. Andere müssen gepflegt werden, wenn sich die ersten widerspenstigen Pflänzchen zeigen.
Ich nehme mir heute vor: Keine anachronistisch wirkende Parabeln mehr schreiben!

Unruhige Nächte, geschäftige Tage

Was man sich alles anhören muss: Das Schreien der Glücklichen und Verzweifelten, ein Streit, das Rotieren einer Waschmaschine, die Stereoanlage von dem Mann, der über mir wohnt, brechendes Glas, das Klingeln der Polizei bei den delinquenten Nachbarn, der ehemalige Geliebte vor dem Fenster seiner enttäuschten Hoffnung, keine Ruhe. Der Wecker zerstört das zerbrechliche Schlafgefäß. Heraus aus dem warmen Bett, ein Kollege ruft an, der Gang zum Briefkasten wird gescheut, nur neue fruchtlose Beschäftigungen, die das Leben einfordert, der Rechner fordert Aufmerksamkeit, jemand ruft wieder an. Ich bin überfordert. Ich will mich nicht entscheiden, niemanden anrufen, nicht angerufen werden. Die Altlasten und die neuen Belastungen sind die unerträglichen Lastschriften, um die ich mich nicht mehr kümmern will, weil mich das nicht interessiert, aber mich soll das interessieren. Denn es ist zu meinem Besten.
Und jetzt warte ich auf einen Anruf, einen Brief, eine Antwort, ein Gespräch, das mich kümmert und das mich interessiert. Natürlich kommt es nicht wie erwartet. Man hat ja keine Muße mehr dazu, sich selbst zu kümmern. Man weiß ja, wie das endet: Mit unruhigen Nächten und einsamen, geschäftigen Tagen.

Zeit

Besorgt wird man angesichts der Zeit, in der man von einem reicheren Leben träumt, nachdenklich wird man über die Zeit, die man für die Geschäftigkeit zum Erreichen dieser Träume verwendet, wütend über die Zeit, die man dazu verschwendet, um sich dazu aufzuraffen, manchmal verbittert über die Zeit, die zum Ausleben der Träume bleibt.