Schlaflos
Es gibt Gedanken, die muss man durchschreiben, herausschreiben, herausschneiden, aus seinem Kopf entfernen, damit man endlich wieder schlafen kann.
Es gibt Gedanken, die muss man durchschreiben, herausschreiben, herausschneiden, aus seinem Kopf entfernen, damit man endlich wieder schlafen kann.
Melancholie ist die Unfähigkeit, das Geschehene vergessen zu können. Die Melancholie verschwendet viel Zeit darauf, das Vergangene poetisch zu machen, ihm den Anschein des Unvergesslichen zu geben. Melancholie ist die Trauer um das Verlorene und die Idealisierung des Unwiederbringlichen. Die Melancholie weiß, dass auch das Zukünftige verloren gehen wird. Es wird unbedeutsam sein, und die Anderen, die Nicht-Melancholischen werden es in den Dreck ziehen.
In Zeiten von unhaltbaren Zuständen ist es notwendig, die schönen Augenblicke, die Zustände der Freude und der Ekstase, den glücklichen Ausnahmestand, haltbar zu machen. Oder man muss auf eine Expedition gehen, den schönen Zustand suchen, in am leben lassen (nicht jagen, schießen, aufspießen, Trophäen sammeln), ihn atmen lassen. Haltbare Zustände sind lebendige Zustände.
Krebs ist die Angst ist Krebs.
Krebs ist die Angst vor der Angst vor Krebs.
Krebs ist die Angst und die Angst vor der Schuld.
Krebs ist die anerzogene Schuld, das Schuldig-Werden und die ererbte Schuld.
Krebs ist die materiell-lebendig gewordene Manifestation von Angst und die Unfähigkeit, einen angemessenen Umgang mit der gelebten und ererbten Schuld zu finden.
Krebs ist die Unfähigkeit, mit seinem Leben in den gegenwärtigen Verhältnissen umgehen zu können.
Aufschrei des Körpers.
Schmerzschrei Krebs.
Schuld am Nicht-Funktionieren, Nicht-produktiv-Sein.
Krebs ist das Kainsmal, das Stigma der Todgeweihten.
Furchtbar ist es zu bemerken, dass man dem Klischee, das die anderen angeblich von einem haben, immer ähnlicher wird. Die Frage ist nun, ob einem das Klischee eingepflanzt wird oder ob man unbewusst versucht, dem Klischee zu entsprechen, das man eigentlich widerlegen will. Wenn man vollkommen ohne die „Rolle“, die man zu spielen hat, lebte, würde man seinen Subjekt-Status verlieren. Es ist immer nur eine leichte Abweichung, Verschiebung erlaubt. Alles andere wäre in unserer Kultur Wahnsinn. Sind Klischees und Rollen darum notwendig?