{"id":56,"date":"2005-11-05T01:30:27","date_gmt":"2005-11-04T23:30:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.die-grenze.com\/wordpress\/?p=56"},"modified":"2007-05-30T07:57:18","modified_gmt":"2007-05-30T05:57:18","slug":"aufstand-der-korper-1-eine-drehbuchidee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.die-grenze.com\/wordpress\/?p=56","title":{"rendered":"Aufstand der K\u00c3\u00b6rper (1): Eine Drehbuchidee"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Entwurf eines Drehbuchs zu einem Science-Fiction-Film:<\/em><\/p>\n<p>Die Agenten der Disziplin haben sich eine Krankheit ausgedacht, welche die \u00e2\u20ac\u017eUnwilligen\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eAbweichler\u00e2\u20ac\u0153 zur Raison rufen oder zerfressen soll.\u00c2\u00a0 Der Krebs h\u00c3\u00a4lt eine ganze Industrie in Betrieb, treibt die Krebsmaschinerie an. Die Androhung der Krankheit diszipliniert, wer sich nicht diszipliniert, muss erkranken. Die unausgesprochene Bedrohung ist der Tod. Der K\u00c3\u00b6rper des Individuums, sein Leid, befindet sich im Aufstand gegen dieses konstruierte Subjekt, das sich einer Krankheit unterwirft. Zwar ist die Krankheit ein Zeichen, ein Stigma, f\u00c3\u00bcr das Ank\u00c3\u00a4mpfen gegen die bestehende Ordnung. Auf der anderen Seite ist der Krebs auch ein Produkt der herrschenden Zust\u00c3\u00a4nde. Durch ihren Doppelcharakter stellt die Krankheit ein Grenze dar: Sie trennt zwischen \u00e2\u20ac\u017ewert\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eunwert\u00e2\u20ac\u0153.<!--more--> Trotz ihres rebellischen Wesens bezeichnet sie keinen Weg, sich aus dem System der totalen \u00c3\u0153berwachung und Kontrolle zu befreien. Die Krankheit ist das System, darum ist sie total. Tats\u00c3\u00a4chlich leiden alle an dieser Krankheit, auch wenn sie noch nicht ausgebrochen zu sein scheint. Viele gehen nicht zum Arzt, weil sie Angst davor haben, sich diese Krankheit \u00e2\u20ac\u017eeingefangen\u00e2\u20ac\u0153 zu haben, sich schuldig gemacht zu haben. Kranksein bedeutet zugleich \u00e2\u20ac\u017eschuldig sein\u00e2\u20ac\u0153 als auch sich dem Todesurteil gef\u00c3\u00a4hrlich anzun\u00c3\u00a4hern. Die psychosomatische Erkrankung und die instrumentelle Vernunft bilden eine \u00e2\u20ac\u017eunheilige Allianz\u00e2\u20ac\u0153, die zu mehr Wachstum und Produktivit\u00c3\u00a4t f\u00c3\u00bchrt. Die Toten werden als Ersatzteillager ausgebeutet oder in Energiekraftwerken verheizt. Nichts darf verschwendet werden. Eine Heldin und ein Held wollen die Agenten, die diesen Kampfstoff einsetzen und diesen Apparat am Leben halten, benennen. Sie fordern den Aufstand der K\u00c3\u00b6rper, den Aufstand der Zeichen (der Stigmata). Leider sind die K\u00c3\u00b6rper und die Mittel, die diesen K\u00c3\u00b6rpern zu eigen sind, geschw\u00c3\u00a4cht. Es ist auch schwierig in der Bev\u00c3\u00b6lkerung Mitstreiter f\u00c3\u00bcr einen Widerstand zu finden, denn die Krankheit ist der Normalzustand. Es gibt kein Bewusstsein f\u00c3\u00bcr die M\u00c3\u00b6glichkeit einer Ver\u00c3\u00a4nderung der gegebenen Zust\u00c3\u00a4nde. Die Krankheit ist bei den \u00e2\u20ac\u017eGesunden\u00e2\u20ac\u0153 zu stark verdr\u00c3\u00a4ngt, aus Angst, sich anzustecken. Daher sind die M\u00c3\u00b6glichkeiten, einen Gegendiskurs zu etablieren, kaum gegeben. Die Widerst\u00c3\u00a4ndler werden schlie\u00c3\u0178lich vom System der Kontrolle vereinnahmt. Im propagandistischen Diskurs dienen sie noch als abschreckendes Beispiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Entwurf eines Drehbuchs zu einem Science-Fiction-Film: Die Agenten der Disziplin haben sich eine Krankheit ausgedacht, welche die \u00e2\u20ac\u017eUnwilligen\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eAbweichler\u00e2\u20ac\u0153 zur Raison rufen oder zerfressen soll.\u00c2\u00a0 Der Krebs h\u00c3\u00a4lt eine ganze Industrie in Betrieb, treibt die Krebsmaschinerie an. Die Androhung der Krankheit diszipliniert, wer sich nicht diszipliniert, muss erkranken. 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